Jobwunder Eichstätt - Arbeitsagentur ohne Arbeit ?
Gast
Die schwarz-gelbe Bundesregierung rechnet im laufenden Jahr mit einer Arbeitslosigkeit von im Schnitt 2,94 Millionen Menschen. Damit wäre die Arbeitslosenzahl im Jahresverlauf so niedrig wie zuletzt 1991. Doch es gibt Regionen, welche auch das noch toppen können. Beispielsweise Eichstätt in Oberbayern und Neuburg-Schrobenhausen zwischen Donau und Paar.
Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Januar 2011 um 51 900 auf rund 321 800 gestiegen. „Trotzdem ist nicht nur das Niveau des Vorjahres, sondern auch das Niveau von vor der Krise unterschritten worden“, sagte der Chef der Regionaldirektion der Arbeitsagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart, am Dienstag in Nürnberg.
In mehreren Regionen des Freistaats gibt es eine Tendenz zur Vollbeschäftigung. Volkswirte sprechen bereits bei einer Arbeitslosenquote von 2 bis 4 Prozent von Vollbeschäftigung. Denn es wird niemals möglich sein, für jede freie Stelle den passenden Bewerber zu finden. Außerdem können Menschen zwischen zwei Jobs kurzfristig ohne Arbeit sein und damit in der Statistik auftauchen. Darüber hinaus gibt es immer einige hoffnungslose Fälle, die nicht vermittelbar und somit ohne Arbeit sind.
An der Spitze der niedrigsten Arbeitslosenquote stehen Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen mit einer Arbeitslosenquote unter 2%. Dabei besitzt Jobwunder Eichstätt die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland mit nur 1,7%. Was sind die Gründe dafür und was ist dann die mögliche Kehrseite der Vollbeschäftigung?
Der Landkreis hat neben dem Lampenhersteller Osram mit seinen rund 700 Angestellten keine größeren Industriebetriebe, dafür aber in der Nachbarschaft. Allein der Automobilhersteller Audi in Ingolstadt beschäftigt mehr als 30 000 Menschen – rund ein Drittel davon aus dem Landkreis Eichstätt.
Der Autobauer im 25 Kilometer entfernten Ingolstadt boomt und hat seit Mitte der 90er-Jahre rund 7000 Arbeitnehmer eingestellt. „Der Erfolg der Audi AG hat Auswirkungen auf alle Gewerbetreibenden, vom Elektronikzulieferer bis zum Pizzalieferanten“, berichtet Reinhard Weber, welcher an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (WFI) Arbeitsmarktökonomie lehrt. Allein die katholische Universität beschäftigt mehr als 600 Menschen, hinzu kommen zahlreiche Arbeitsplätze in der Bistumsverwaltung und in weiteren öffentlichen Ämtern. Einen entscheidenden Beitrag zum Eichstätter Jobwunder leistet auch der öffentliche Dienst. Mit konjunkturunabhängigen Jobs wie in der Universität, Schulen, Kindergärten und Ämtern. Die kleine Stadt ein enormes Angebot an konjunkturunabhängigen Arbeitsplätzen, viele davon für Frauen.
Der gut zahlende Konzern ziehe Ingenieure an, die wiederum Nachfrage produzieren. Sie bestellen bei den mittelständischen Ingenieursbüros Messtechnik für ihre Arbeit und Fastfood in der Gastronomie in ihrer Spätschicht.
„Hier gibt es den Fremdenverkehr in dem Naturpark Altmühltal, die Steinbrüche, einen äußerst gesunden Mittelstand, den Standort der Bereitschaftspolizei – und vor allem ist Eichstätt eine Ämterstadt“, erklärt Stadler.
Im Jobwunder Eichstätt erleben die Leute, was Vollbeschäftigung heißt. Dennoch bringe Vollbeschäftigung auch wieder Probleme mit sich. Viele Firmen suchen verzweifelt qualifiziertes Personal. Jedoch finden die Unternehmen unter den wenigen Arbeitslosen kaum qualifizierte Fachkräfte. Viele offene Stellen können nicht besetzt werden. Besonders in der Metallbranche und in der Tourismus- und Gastronomiebranche sei der Bedarf hoch. „Da könnten wir vermitteln wie die Weltmeister“, sagt Wagner. Doch auch in Jobwunder Eichstätt gebe es einige Langzeitarbeitslose, die etwa wegen ihres Alters, ihrer Gesundheit oder Qualifikation schwer zu vermitteln seien.
Neuburg-Schrobenhausen zwischen Donau und Paar, mit knapp 91 000 Einwohnern, besitzt eine Arbeitslosenquote von nur 2,1%. Hier müssen die Unternehmen auf Fachkräfte aus Dresden oder München zugreifen.
Im Fall von Ingolstadt sieht es ähnlich wie in Eichstätt aus. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1%. Bis zur Jahresmitte konnten rund 700 Menschen eine neue Arbeitsstelle antreten. Dadurch leistete die Arbeitsagentur einen wichtigen Beitrag, dass die Stadt Ingolstadt im Juni 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 % wieder Deutschlands Großstadt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote ist. In der gemütlichen Donauregion mitten in der bayerischen Provinz entwickelt sich die Arbeit Suche zum Paradies. In Ingolstadt scheint die Welt trotz Weltwirtschaftskrise noch in Ordnung. Nicht nur die Arbeitslosenquote ist niedrig, bei 3,1% Wirtschaftswachstum sind die Unternehmen noch durchaus stabil. Der Audi Konzern trägt dazu in großem Maße bei.
Der Landkreis Pfaffenhofen gehört hinsichtlich der Beschäftigung zu den Spitzenkommunen in ganz Deutschland, mit einer Arbeitslosenquote von 2,1%. Ein differenzierteres Bild ergibt sich bei den Zahlen für den Landkreis, beim Blick auf die so genannte Unterbeschäftigungsquote. Hier werden zusätzlich zu den offiziell arbeitslos gemeldeten Bürgern unter anderem auch alle eingerechnet, die sich in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden.
Nachteil für die Wirtschaft?
Allerdings hat diese Vollbeschäftigung auch einen gravierenden Nachteil: Denn wer eine Arbeit hat, hat genügend Einkommen, aber zu wenig Zeit, um sein Geld auch ausgeben zu können und damit den heimatlichen Konsum zu stimulieren. Die Unternehmen dort haben sogar schon Probleme, geeignete neue Mitarbeiter zu finden und selbst die Arbeitsagentur streicht Stellen.
Die Meinungen über die Vollbeschäftigung gehen indes weit auseinander: Neben denen, die sich verständlicherweise über die niedrige Arbeitslosenquote freuen, findet diese auch Gegner. Diese betonen zwar den volkswirtschaftlichen Nutzen, vermuten im Gegenzug aber einen betriebswirtschaftlichen Schaden. Die Wirtschaft brauche ein gewisses Maß an Arbeitslosigkeit, eine gewisse Fluktuation an Arbeitskräften sei wichtig, damit der Arbeitsmarkt nicht stagniert und Unternehmen auch ausgeschriebene Stellen einigermaßen besetzen können.
Daher wird sich nach Meinung dieser in einer kapitalistischen Wirtschaft langfristig eine bestimmte Arbeitslosigkeit einrichten, die für Unternehmen den größten Nutzen bringt.
Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Januar 2011 um 51 900 auf rund 321 800 gestiegen. „Trotzdem ist nicht nur das Niveau des Vorjahres, sondern auch das Niveau von vor der Krise unterschritten worden“, sagte der Chef der Regionaldirektion der Arbeitsagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart, am Dienstag in Nürnberg.
In mehreren Regionen des Freistaats gibt es eine Tendenz zur Vollbeschäftigung. Volkswirte sprechen bereits bei einer Arbeitslosenquote von 2 bis 4 Prozent von Vollbeschäftigung. Denn es wird niemals möglich sein, für jede freie Stelle den passenden Bewerber zu finden. Außerdem können Menschen zwischen zwei Jobs kurzfristig ohne Arbeit sein und damit in der Statistik auftauchen. Darüber hinaus gibt es immer einige hoffnungslose Fälle, die nicht vermittelbar und somit ohne Arbeit sind.
An der Spitze der niedrigsten Arbeitslosenquote stehen Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen mit einer Arbeitslosenquote unter 2%. Dabei besitzt Jobwunder Eichstätt die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland mit nur 1,7%. Was sind die Gründe dafür und was ist dann die mögliche Kehrseite der Vollbeschäftigung?
Der Landkreis hat neben dem Lampenhersteller Osram mit seinen rund 700 Angestellten keine größeren Industriebetriebe, dafür aber in der Nachbarschaft. Allein der Automobilhersteller Audi in Ingolstadt beschäftigt mehr als 30 000 Menschen – rund ein Drittel davon aus dem Landkreis Eichstätt.
Der Autobauer im 25 Kilometer entfernten Ingolstadt boomt und hat seit Mitte der 90er-Jahre rund 7000 Arbeitnehmer eingestellt. „Der Erfolg der Audi AG hat Auswirkungen auf alle Gewerbetreibenden, vom Elektronikzulieferer bis zum Pizzalieferanten“, berichtet Reinhard Weber, welcher an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (WFI) Arbeitsmarktökonomie lehrt. Allein die katholische Universität beschäftigt mehr als 600 Menschen, hinzu kommen zahlreiche Arbeitsplätze in der Bistumsverwaltung und in weiteren öffentlichen Ämtern. Einen entscheidenden Beitrag zum Eichstätter Jobwunder leistet auch der öffentliche Dienst. Mit konjunkturunabhängigen Jobs wie in der Universität, Schulen, Kindergärten und Ämtern. Die kleine Stadt ein enormes Angebot an konjunkturunabhängigen Arbeitsplätzen, viele davon für Frauen.
Der gut zahlende Konzern ziehe Ingenieure an, die wiederum Nachfrage produzieren. Sie bestellen bei den mittelständischen Ingenieursbüros Messtechnik für ihre Arbeit und Fastfood in der Gastronomie in ihrer Spätschicht.
„Hier gibt es den Fremdenverkehr in dem Naturpark Altmühltal, die Steinbrüche, einen äußerst gesunden Mittelstand, den Standort der Bereitschaftspolizei – und vor allem ist Eichstätt eine Ämterstadt“, erklärt Stadler.
Im Jobwunder Eichstätt erleben die Leute, was Vollbeschäftigung heißt. Dennoch bringe Vollbeschäftigung auch wieder Probleme mit sich. Viele Firmen suchen verzweifelt qualifiziertes Personal. Jedoch finden die Unternehmen unter den wenigen Arbeitslosen kaum qualifizierte Fachkräfte. Viele offene Stellen können nicht besetzt werden. Besonders in der Metallbranche und in der Tourismus- und Gastronomiebranche sei der Bedarf hoch. „Da könnten wir vermitteln wie die Weltmeister“, sagt Wagner. Doch auch in Jobwunder Eichstätt gebe es einige Langzeitarbeitslose, die etwa wegen ihres Alters, ihrer Gesundheit oder Qualifikation schwer zu vermitteln seien.
Neuburg-Schrobenhausen zwischen Donau und Paar, mit knapp 91 000 Einwohnern, besitzt eine Arbeitslosenquote von nur 2,1%. Hier müssen die Unternehmen auf Fachkräfte aus Dresden oder München zugreifen.
Im Fall von Ingolstadt sieht es ähnlich wie in Eichstätt aus. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1%. Bis zur Jahresmitte konnten rund 700 Menschen eine neue Arbeitsstelle antreten. Dadurch leistete die Arbeitsagentur einen wichtigen Beitrag, dass die Stadt Ingolstadt im Juni 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 % wieder Deutschlands Großstadt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote ist. In der gemütlichen Donauregion mitten in der bayerischen Provinz entwickelt sich die Arbeit Suche zum Paradies. In Ingolstadt scheint die Welt trotz Weltwirtschaftskrise noch in Ordnung. Nicht nur die Arbeitslosenquote ist niedrig, bei 3,1% Wirtschaftswachstum sind die Unternehmen noch durchaus stabil. Der Audi Konzern trägt dazu in großem Maße bei.
Der Landkreis Pfaffenhofen gehört hinsichtlich der Beschäftigung zu den Spitzenkommunen in ganz Deutschland, mit einer Arbeitslosenquote von 2,1%. Ein differenzierteres Bild ergibt sich bei den Zahlen für den Landkreis, beim Blick auf die so genannte Unterbeschäftigungsquote. Hier werden zusätzlich zu den offiziell arbeitslos gemeldeten Bürgern unter anderem auch alle eingerechnet, die sich in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden.
Nachteil für die Wirtschaft?
Allerdings hat diese Vollbeschäftigung auch einen gravierenden Nachteil: Denn wer eine Arbeit hat, hat genügend Einkommen, aber zu wenig Zeit, um sein Geld auch ausgeben zu können und damit den heimatlichen Konsum zu stimulieren. Die Unternehmen dort haben sogar schon Probleme, geeignete neue Mitarbeiter zu finden und selbst die Arbeitsagentur streicht Stellen.
Die Meinungen über die Vollbeschäftigung gehen indes weit auseinander: Neben denen, die sich verständlicherweise über die niedrige Arbeitslosenquote freuen, findet diese auch Gegner. Diese betonen zwar den volkswirtschaftlichen Nutzen, vermuten im Gegenzug aber einen betriebswirtschaftlichen Schaden. Die Wirtschaft brauche ein gewisses Maß an Arbeitslosigkeit, eine gewisse Fluktuation an Arbeitskräften sei wichtig, damit der Arbeitsmarkt nicht stagniert und Unternehmen auch ausgeschriebene Stellen einigermaßen besetzen können.
Daher wird sich nach Meinung dieser in einer kapitalistischen Wirtschaft langfristig eine bestimmte Arbeitslosigkeit einrichten, die für Unternehmen den größten Nutzen bringt.











